Spirituelles Wissen für eine neue Zeit Patrizia Geiß Lichtbewusstsein * Seelenwissen * Schöpferkraft * Erwachen * Einheit
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Der zeitlose Weber (Teil 1)

Es gab einst einen großen, ungenannten Weber, der saß im Zentrum der Ewigkeit und wirkte an einem einzigen, unendlichen Teppich. Er benutzte keine Wolle und keinen Faden, sondern er webte mit dem reinen Urlicht, das aus seinem eigenen Herzen strömte.

 

Um das Wesen dieses Teppichs zu verstehen, reiste ein junger Sucher zum Palast des Webers. Er trat an das unendliche Tuch heran, betrachtete es voller Staunen und suchte nach den Gesetzen, die dieses Meisterwerk zusammenhielten.

 

Zuerst trat er ganz nah an das Gewebe heran und sah das Prinzip der Zusammensetzung. Er erkannte, dass das große Bild kein starrer Block war, sondern aus Millionen feinster Knoten und Zeilen bestand. Jeder Faden war aus noch dünneren Fasern gedreht, und jede Faser bestand aus tanzenden Lichtpunkten. Nichts stand für sich allein; das Große offenbarte sich nur durch das Kleine, und das Kleine trug die Pracht des Großen in sich.

 

Als der Sucher einen einzigen roten Faden berühren wollte, erzitterte der gesamte Teppich bis an seine äußersten Ränder. Da begriff er das Prinzip der Wechselbeziehung und Koordinierung. Er sah, dass der rote Faden nur existieren konnte, weil ein goldener ihn hielt, ein blauer ihn kreuzte und die Dunkelheit des Hintergrunds ihm Raum gab. Jeder Knoten rief nach dem anderen; sie hielten sich gegenseitig in einem stummen, vollkommenen Einvernehmen. Keines war unabhängig, alles war ein großes, koordiniertes Gespräch.

 

Der Sucher ging am Teppich entlang und suchte nach einer Wiederholung. Doch er fand keine. Dies war das Prinzip der Vielfalt. Obwohl der Weber nur ein einziges Licht verwendete, glich kein Knoten dem anderen. Hier bog sich ein Faden in sanfter Rundung, dort brach er sich in kühnem Winkel. Jede Stelle des Teppichs erzählte eine eigene, nie dagewesene Geschichte. Die Einheit des Webers erstickte nicht die Vielfalt; sie feierte sie in unendlichen Nuancen.

 

Da trat der Sucher einige Schritte zurück, um das Ganze zu überblicken, und das Prinzip der Analogie offenbarte sich seinen Augen. Er sah, dass das Muster im kleinsten Quadrat des Saumes exakt der Form des gesamten, riesigen Teppichs entsprach. Das Zentrum spiegelte sich in den Rändern; das, was oben im Gewebe thronte, fand sein Echo ganz unten. „Wie im Kleinsten, so im Größten“, flüsterte er, und er erkannte, dass er den ganzen Teppich verstehen konnte, wenn er nur einen einzigen Atemzug lang einen einzigen Faden wahrhaft begriff.

 

Doch das Erstaunlichste war das kosmische Gesetz der Bewegung. Als der Sucher glaubte, das Bild endgültig erfasst zu haben, stellte er fest, dass der Teppich lebte. Die Fäden ruhten nicht. Sie flossen wie flüssiges Gold, sie schwingten in Wellen, sie atmeten. Die Farben wandelten sich im ewigen Rhythmus von Werden und Vergehen – ein ständiges Ein- und Ausströmen des Lichts. Der Teppich war kein fertiges Werk, sondern ein ewiger, fließender Tanz.

 

Der Sucher wandte sich an den Weber, der still im Zentrum saß, und fragte:

„Meister, wie nennst du dieses Werk, das aus so vielen Teilen besteht, sich ständig wandelt, in dem alles miteinander ringt und doch so vollkommen harmonisch ist?“

 

Der Weber lächelte, und seine Stimme war wie das Rauschen eines stillen Meeres:

„Die Menschen nennen es die Vielfalt der Welt. Sie sehen die vielen Fäden, die Bewegung und die Unterschiede, und oft verlieren sie sich darin. Doch für mich, der ich es webe, gibt es die Fäden gar nicht.“

 

„Wie meinst du das?“, fragte der Sucher verwundert.

 

Der Weber antwortete:

„Es ist immer nur ein einziger Faden. Ich ziehe ihn durch sich selbst, ich falte ihn, ich lasse ihn schwingen und sich verändern. Die Bewegung, die Analogie, die Zusammensetzung – das sind nur die Arten, wie der eine Faden sich selbst erfährt. Es gibt nicht viele Dinge, mein Freund. Es gibt nur das Eine, das sich im Spiegel der Bewegung als das Viele zeigt.“

 

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Das Auge sieht die unzähligen Wellen und nennt sie den Ozean. Doch das Wasser weiß, dass jede Welle nur ein vorübergehendes Spiel seiner eigenen Tiefe ist.

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